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Aufklären und aufräumen

mit Sprüchen und Floskeln …

… die wir Krebsis ständig zu hören bekommen. Gut gemeint? Oder nur gesagt um überhaupt was zu sagen? Aus Unwissen oder Angst?

Cancer Unites hatte letzte Woche genau das zum Thema. Und ich habe das Gefühl, ich möchte für mich und mein Umfeld auch ein paar Dinge aufklären. Denn nicht alles, was man so gesagt bekommt ist toll. Denn oft sind gut gemeinte Ratschläge auch Schläge.

Aber ich weiß auch, dass solche gut gemeinten Sätze wie „Du schaffst das schon, deine Mama hat das auch geschafft“ nur lieb gemeint sind. Und ja das hat sie ja auch. Aber bei jedem ist es nun mal anders. Krebs ist nicht gleich Krebs.

Die wenigsten Menschen in meinem Umfeld haben Berührungspunkte mit Krebs. Da kommen solche Sätze sehr unwissend rüber, sollen aber aufbauend gemeint sein. Im ersten Moment macht man sich keine Gedanken darum und denkt, er/sie meint es ja nur gut. Aber es verletzt mich dennoch, weil ich das Gefühl habe, nicht ernstgenommen zu werden. Später dann kamen Fragen und meine Umgebung wollte mehr über meinen Krebs wissen.

Das fand ich wirklich gut, und half mir im Gegenzug meine Umgebung, die Gedanken meiner Freunde, besser zu verstehen. Diese Menschen, die es gut mit uns meinen, sind nichtsahnend und wer weiß wie wir uns verhalten würden, wenn wir keinen Krebs hätten und unsere Freundin oder unser Kumpel die Diagnose bekommt. Ich schätze wir würden auch solche Floskeln sagen ohne nachzudenken.

Bei meiner Ersterkrankung kamen natürlich auch Sätze wie „Boah, die Glatze steht dir aber gut.“ oder „du siehst toll aus, man sieht gar nichts vom Krebs, außer deiner Glatze“, „Du hast es ja Gott sei dank bald geschafft, dann bist du ja wieder gesund“, „Brustkrebs ist doch gut heilbar und nicht so schlimm“, „ja das Schwitzen hab ich auch, das liegt an den Wechseljahren, oder der heiße Sommer…“, „ich bin auch müde zu Zeit, liegt am Wetter, am Alter, Frühjahrsmüdigkeit…“, „ach Knochenschmerzen, die hab ich auch, es zwackt hier, es zwackt da“! Nur mal ein paar Sätze, die man so zu hören bekommt.

Ich musste jedesmal schlucken, um mich nicht unangemessen auszudrücken. Seien wir mal ehrlich, eine Glatze mag toll aussehen, und ich persönlich habe sie auch gerne getragen! 𝗔𝗕𝗘𝗥 ich konnte es nicht selbst entscheiden, sondern wurde von meiner Krankheit und den Medikamenten dazu gezwungen. Das war nicht freiwillig. Wer entscheidet sich schon gerne freiwillig für ein Glatze.

Ich habe mich häufig geschminkt zu der Zeit. Da war es dann leicht zu sagen, dass man gut aussieht. Aber hey, ich habe mir meine Augenbrauen aufgemalt, dass es überhaupt so aussah, dass ich welche hatte. Da waren keine Wimpern die man tuschen konnte. Und ohne ein bisschen Make Up sah ich aus wie der Tod auf Urlaub. Dicke dunkle Augenringe zierten mein Gesicht.

Krebs ist eine tödliche Krankheit. Und es sterben heutzutage immer noch viel zu viele Frauen an 𝗕𝗥𝗨𝗦𝗧𝗞𝗥𝗘𝗕𝗦! Und es ist auch keine „Livestyle“ Krankheit. 𝗞𝗘𝗜𝗡 𝗠𝗘𝗡𝗦𝗖𝗛 𝘀𝘂𝗰𝗵𝘁 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗮𝘂𝘀, 𝗞𝗿𝗲𝗯𝘀 𝘇𝘂 𝗯𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻.

Und selbst wenn ich dem Krebs dann in seinen Allerwertesten getreten habe und er weg ist, heißt es nicht, dass ich GESUND bin und alles wieder auf normal steht. Der Krebs verändert einen, hinterlässt jede Menge Spuren! Die Chemotherapie verändert einen. Das ist schwierig zu erklären und für unser gegenüber schwer nachvollziehbar!

Die sogenannte Fatigue hält schon während der Chemotherapie Einzug. Und sie bleibt auch danach. Sie ist bei jedem anders und ich spreche hier nur für mich. Die bleiernde Müdigkeit, das schwere Konzentrieren, nicht mehr lange bei der Sache bleiben können, lange Zuhören fällt zunehmend schwerer, die Aufmerksamkeit generell schwindet, das Schwitzen ist eine Qual. Und die Gelenke fühlen sich an als wäre ich 80 Jahre alt. Vor meiner Therapie hatte ich das alles nicht!!! Aber es wird oft alles miteinander verglichen. Und das macht es mir sehr schwer. Ich fühle mich deshalb sehr oft unverstanden. Aber mein Gegenüber meint es nicht böse. Möchte mich nur damit trösten und mir mitteilen, dass ich nicht alleine bin. Das ist die Kehrseite der Medaille! Ich versuche immer beide Seiten zu sehen. Es gelingt mir nur nicht immer.

Mein Fazit aus der ganzen Sache ist, dass die Menschen um uns herum es nicht böse meinen. Sie wollen uns helfen, trösten, uns das Gefühl geben, dass sie für uns da sind. Aber oft erreichen sie das Gegenteil davon. Weil manches Gesagte einfach nur weh tut, einen Stich versetzt und wir uns missverstanden und unverstanden fühlen. Vor allem dann, wenn diese Sätze unüberlegt gesagt werden.

Mein Appel an uns alle. Mehr überlegen, bevor was gesagt wird, was man vielleicht sogar bereuen könnte, und mehr verzeihen, wo man sich missverstanden fühlt. Denn Fakt ist, wir sind alle nur Menschen und keine Roboter. Und ganz wichtig ist, dass wir Krebspatienten mit unseren Mitmenschen reden. Ihnen sagen, was wir wollen, was uns gut tut, und was nicht. Offen drüber reden und nur dann können unsere Freunde, Familien und Bekannten vielleicht ein Stück mehr verstehen, was in uns vorgeht und mit uns passiert. REDET MITEINANDER!

Ich höre auf mein Bauchgefühl und weiß wer es wirklich gut mit mir meint. Den anderen winke ich hinterher.

In diesem Sinne winke ich euch zu! Passt auf euch auf! Bleibt euch und euren Instinkten treu.

#gebtachtaufeuch

Eure Mary 🌹

Ein Kommentar

  • pusteblume49

    Es ist so wichtig zu wissen, was sagt man besser nicht und was tut gut. Je nachdem wie nah einem der Mensch steht, weiß man vieles aus dem Bauch- und Herzgefühl heraus. Manche gesagten Worte sind mitnichten auch böse gemeint und sollten niemals so ankommen, wie sie für euch erscheinen. Gerade deswegen finde ich diese ausgeschriebenen Worte so wichtig. Danke 😊

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