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Zusammenbruch

Hallo Ihr Lieben 💞

Kurz habe ich ĂŒberlegt ob ich euch von meinem Zusammenbruch am Sonntag (Totensonntag) erzĂ€hlen soll.

Ich stehe ja fĂŒr „mehr RealitĂ€t“, Offenheit und Ehrlichkeit auf all meinen KanĂ€len. Und darum hab ich mich entschieden meine Gedanken dazu aufzuschreiben und mit euch zu teilen. Ich sage aber direkt im Vorfeld #triggerwarnung. Ihr mĂŒsst nicht lesen, aber ihr dĂŒrft wenn ihr könnt.

Ihr wisst ja, ich schreibe, um mir alles von der Seele zu schreiben und meine Gedankenwelt zu sortieren.

Am Sonntag war ein grottenschlechter Tag. Schmerzen, trotz Medis, Übelkeit und Schwindel von den Medis, die Ungewissheit was bei der Biopsie rauskommt, das warten auf das Ergebnis, die Angst, was wird jetzt gemacht wie geht es weiter. Es kĂŒndigte sich schon was lĂ€nger an, meine Traurigkeit hielt schon lĂ€nger einzug. Zudem ist November, der Monat, in dem mein Daddy an Krebs starb. An BauchspeicheldrĂŒsenkrebs…

Die TrĂ€nen schossen mir unvermittelt in die Augen. Ich konnte sie nicht aufhalten. Also lies ich einfach mal los und heulte was das Zeug hielt. Ich hatte das GefĂŒhl, dass alle DĂ€mme brachen. Alles musste raus. Es hatte sich so viel angestaut. Seit meiner 2. Diagnose habe ich so noch nicht geweint und ich hatte das GefĂŒhl, der Klos im Hals drohte mich zu ersticken. Immer wieder ĂŒberkam es mich, in heftigen SchĂŒben. Ich habe bitterlich geweint. Meine Gedanken, die ich teilweise auch aussprach, waren nicht wirklich positiv!

Meine Ängste hatten mich im Griff. Ich hatte ZukunftsĂ€ngste vom Feinsten. Angst, meinen Enkel nicht mehr aufwachsen zu sehen, Angst, dass es keine Therapie mehr fĂŒr mich gibt, Angst, dass es das jetzt war. Angst zu sterben. Ich stellte mir die Fragen: „war es das jetzt?“, „werde ich jetzt sterben?“! Die Todesangst war sehr prĂ€sent. Und ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu weinen. Zu viel und zu lange hat sich all das aufgestaut. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich war am tiefsten Tiefpunkt angekommen.

Mein Mann tat mir so leid an dem Sonntag. Er hielt mich fest im Arm, hielt mir die Hand und stand wie ein Fels in der Brandung da und war fĂŒr mich da. Ohne viel Worte zu verlieren. Das war auch nicht nötig. Festhalten und Geborgenheit schenken halfen mir. Das ging den ganzen Sonntag so.

Schmerzen, Übelkeit, Schwindel, Ängste, die Biopsie, warten auf die Ergebnisse… das alles machte mich fertig. Ich war einfach zutiefst traurig ĂŒber meine Gesamtsituation, verbunden mit der Angst, dass ich bald sterben könnte… das war auch fĂŒr mich, die sonst immer so positiv durch die Gegend lĂ€uft, einfach mal zu viel. Das Paket auf meinen Schultern war zu schwer und der ganze Driss musste mal raus.

Heute, ein paar Tage spĂ€ter geht es mir wieder besser. Jeden Tag hab ich das GefĂŒhl, wieder eine Stufe mehr nach oben zu klettern. Ich zieh mich aus dem scheiss wieder nach oben und habe auch wieder ein LĂ€cheln auf den Lippen. Mit kleinen Schritten gehts vorwĂ€rts.

Aber wisst ihr was?

Es war gut, dass mal alles raus kam. Es musste so sein. Und ich war froh, endlich mal alles rauszulassen. Vor allem, dass ich dazu in der Lage war.

Mir ist bewusst, dass es ein sehr harter Text ist. Aber auch das gehört zum Leben eines Krebspatienten dazu. Nicht immer nur die positiv denkende und starke Frau zu sein, sondern auch mal schwach und weinend am Boden liegend die Situation realisieren. Das gehört alles dazu.

Krebs zu haben, bedeutet zu wissen, dass man daran sterben kann. Und dessen ist man sich, Gott sei Dank, nicht immer bewusst. Und das ist auch gut so. Durch meinen Zusammenbruch habe ich mich selbst gesehen, gespĂŒrt und konnte einfach mal loslassen. Das hilft mir, mich und meine Mitte wieder zu finden. Dessen bin ich mir sicher.

Ich hoffe instÀndig euch nicht zu sehr getriggert zu haben. Aber auch das bin ICH. Ich danke euch, dass ihr bei mir seid, mir folgt, meine BeitrÀge lest und auch kommentiert.

#gebtachtaufeuch

Eure Mary đŸŒč

4 Kommentare

  • sweetkoffie

    Ich freue mich fĂŒr dich, dass du endlich mal richtig doll weinen konntest. Wie du schreibst hatte sich soviel Druck aufgestaut und der musste ein Ventil haben. Das tut gut.
    Weiterhin viel Kraft und trotz Krebs auch jeden Tag ein paar schöne Gedanken. đŸŒč☘
    Liebe GrĂŒĂŸe sk

  • BulliTH

    Ich bin natĂŒrlich nicht „drin“ im Thema Krebs, aber fĂŒr mich ist die wichtigste Passage:

    „Es war gut, dass mal alles raus kam. Es musste so sein. Und ich war froh, endlich mal alles rauszulassen. Vor allem, dass ich dazu in der Lage war.“

    Im „normalen“ Leben tut es ja schon gut mal Druck ablassen/ sich fallen lassen zu können. Und ungleich höher ist der Druck in Deiner jetzigen Situation.

    Insofern sind diese Momente schwer (auch und besonders fĂŒr die hilflos daneben Stehenden), aber nichtsdestotrotz (Überlebens-?)wichtig.

    Gut, dass es raus ist.

    FĂŒhl Dich gedrĂŒckt und drĂŒck auch mal Dein‘ MĂ€nne von uns!

    đŸ˜˜â™„ïžđŸ€

  • pusteblume49

    Es ist vielleicht hart zu lesen. HĂ€rter finde ich allerdings, dich so zu sehen. Dennoch finde ich es gut, dass diese Gedanken, Sorgen und Ängste auch einen Platz haben, weil sie dazu gehören. Und ich finde es auch wichtig, dass genau diese GefĂŒhle raus kommen und dann in Worte gefasst werden können. Wenn GefĂŒhle nicht beschrieben werden können, dann sind sie nicht greifbar, aber das hier ist greifbar. Jetzt kann es hoffentlich wieder bergauf gehen. Von Herzen wĂŒnsche ich es dir 💞

  • PaulinaPaulette

    „Krebs zu haben, bedeutet zu wissen, dass man daran sterben kann. Und dessen ist man sich, Gott sei Dank, nicht immer bewusst.“ – Das ist so unglaublich wahr, was du aussprichst. Ich wĂŒnsche dir von Herzen, dass die schönen, kleinen Dinge wieder in den Vordergrund rĂŒcken und den ersten Platz im Bewusstsein einnehmen können.
    Danke fĂŒr die offenen Gedanken liebe Mary ♄

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