Briefe ·Mein Tagebuch

Brief an meinem geliebten Daddy…

12.11.2013 – 12.11.2017

4 Jahre bist du schon nicht mehr unter uns!

Und wir vermissen Dich jeden Tag! 

Aber ich weiß, du schaust auf uns herab und beschützt uns. Anfangs hab ich dich sogar gespürt. Für manche mag das jetzt komisch klingen, aber tatsächlich hatte ich manchmal den Eindruck eine Hand von Dir auf meiner Schulter zu spüren, wenn ich z.B. am Herd stand und gerade sehr intensiv an Dich dachte. Dann schaute ich auf dein Bild und du hast mir zu verstehen gegeben, dass du da bist und auf mich/uns aufpasst.

Du bist 2011 schwer krank geworden. Du hast Anfang September die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ bekommen. Ich weiß noch, wir waren bei dem Gespräch dabei, Mama mein Herzmann und ich. Wir waren alle wie Erstart, Tränen in den Augen stiegen hoch, dennoch waren wir gefasst, weil wir es ahnten. Trotzdem war es wie ein Schlag in die Fresse!!! Damit mussten wir erst mal klar kommen.

Wir saßen sehr oft zusammen und haben darüber geredet. Es tat so weh, die Vorstellung dich zu verlieren. Leider stand das ja fest. Der Krebs war schon zu weit fortgeschritten, inclusive dass er an einer sehr unglücklichen Stelle saß. Dadurch war er inoperabel. Und gestreut hatte er leider auch schon. Man konnte die Metastasen sogar schon ertasten.

Da war das Gefühl der Machtlosigkeit… In jedem von uns. 

Die Zeit der Chemo ging los. Am Geburtstag meines Herzmannes wurde dir der Port gelegt, und ein paar Tage später lief die erste Chemo durch. Fast 1,5 Jahr lange hast du dir dieses Zeug verabreichen lassen. Manchmal waren deine Blutwerte auch so schlecht, dass sie dir die Chemo nicht verabreichen konnten. Leider hast du des öfteren die Chemo nicht so gut vertragen. Die ersten paar Tage nach Vergabe waren die Nebenwirkungen bei dir doch recht heftig, und du musstest das Bett hüten. Es war für uns alle eine sehr schwere Zeit, dich so leiden zu sehen. Mit dem Wissen, dass es nur eine lebensverlängernde Chemo ist, und keine die dich retten kann. Eine sogenannte Palliativ-Chemo.

Du hast auch noch an einer Studie teilgenommen, die in Heidelberg gemacht wurde. Wir sind überzeugt, dass diese, im Zusammenhang mit der Chemo, dir dein Leben etwas verlängert hat. Egal, ob es das richtige Medikament war, oder ein Placebo. Das wissen wir nämlich nicht.

Der Glauber versetzt Berge‘

Du hattest mit Mama eine letzte Reise geplant. Es sollte eine kleine Donau-Kreuzfahrt werden. Dafür hast du die Chemo abgesetzt und entschieden, dass du die letzten Monate, die dir noch bleiben, mit deiner Familie noch genießen möchtest. Die Chemo hat dir zu sehr zugesetzt, so, dass es für dich unerträglich wurde. Wir waren mit allem im Einklang. Und die letzten Monate sollten die schönsten während deiner Erkrankung werden.

Leider hat die Kreuzfahrt nicht stattfinden können. Du hast einen herben Rückschlag erlitten und musstest ins Krankenhaus. Du lagst 4 Wochen auf der Palliativstation, und es ging dir überhaupt nicht gut. Wir hatten wahnsinnige Angst um dich! Es ging dir sogar so schlecht, dass wir mitten in der Nacht zu dir gerufen wurden. Es war alles so unwirklich. Das Gespräch mit den Ärzten, einen Tag danach, war sehr schlimm für uns. Wir dachten, du würdest nicht mehr nachhause kommen. Kreislaufversagen, Bluthochdruck, Blutwerte total down… usw… Mehr möchte ich hier jetzt auch nicht erzählen.

Das tolle Team auf der Palliativstation hat es aber geschafft, dich wieder fit zu machen. Nach 4 Wochen durftest du wieder nachhause. Es war so schön und es ging dir richtig gut. Wenn man das so sehen kann, dann bist du dem Tod von der Schippe gesprungen, um  die verbleidende Zeit mit deiner Familie so schön wie möglich zu verbringen. Die Zeit war noch nicht reif für dich. Du hattest noch was zu erledigen und zu erleben … Also hast du gekämpft, und es hat sich gelohnt!

Ihr habt noch eine Woche Urlaub im Schwarzwald gemacht. Die habt ihr so sehr genossen. Es gab noch ein Familientreffen, welches du noch mit organisiert hast. Auch das hast du sehr genossen. Wir sind noch ein Wochenende zu meiner Schwester gefahren. Aber da haben wir schon gemerkt, dass es dir wieder schlechter ging. Dennoch hast du auch das noch genossen. Du hast immer das positive in allem gesehen und für dich rausgezogen. Nur so konnte die Zeit, die du noch hattest, für dich schön werden!

Die Zeit des Abschiedes rückte immer näher. Von Woche zu Woche ging es dir schlechter. Dann kam das letzte Wochenende. Die Familie war versammelt. Wir redeten, weinten und lachten zusammen. Das war der letzte Tag, wo du noch bei uns warst.

Der Abschied nahte…

Heute vor 4 Jahren hast du deine Augen für immer geschlossen. Zuhause, im Kreise deiner Lieben. So, wie du es wolltest!!!

Du bist jetzt ein Engel und wachst über uns! Wir lieben Dich, wir vermissen dich!

Du warst der beste Papa den man sich nur wünschen kann! Ich danke dir für deine bedingungslose Liebe… Ich danke dir für unsere gemeinsame Zeit, dass du mir gezeigt hast, dass es sich lohnt zu kämpfen. Du hast mir gezeigt, was es heißt stark zu sein. Dass du mir das Leben gezeigt hast! Ich bin glücklich, dass ich mit dir durchs Leben gehen durfte!!!

Danke für alles, was Du mir auf meinen Weg mitgegeben hast. Jedes gemeinsame lachen, weinen, reden und auch streiten hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Hast mich immer unterstützt. Warst immer für mich da.

DANKE dafür. Du wirst immer in meinem Herzen bleiben. Immer ein Teil von mir sein.

‚Ich Liebe Dich‘

Deine Mary 🌹

3 Gedanken zu „Brief an meinem geliebten Daddy…

  1. Mein geliebter Pflegepapa oder wie ich lange zu sagen pflegte – Fastpapa!
    Ich möchte dem Text deiner Tochter nicht mehr viel zufügen, weil es genau das wiedergibt, wie es gewesen ist und natürlich heute immer noch schwer ist, das Leben ohne dein Lachen, deinen Humor, deine Einstellung zum Leben, zu meistern. Aber wie sie schon sagte, wir spüren das du da bist und genau an dieser Stelle möchte ich mein herzinnigste DANKE an dich schreiben.
    Was warst du für ein Mensch in einer Familie, die mich und meine Familie aufgenommen haben, mit einer Selbstverständlichkeit, von der sich andere eine Scheibe abschneiden können. Hier ging es nie um Egoismus, Ich-denken, Sondern immer im Vordergrund, das dort ein Mensch ist, der das braucht, was alle Menschen brauchen: Liebe, Verständnis und Geborgenheit!!! DANKE DANKE DANKE . Wir halten zusammen und glauben daran, nein spüren es, das du nur an einem anderen Ort bist aber sonst immer bei uns.
    Mama, Schwester, Schwager, Patenkind wir lieben euch. Wir leben darin weiter, was wir bisher schon getan haben, indem wir füreinander da sind.
    😘💞😘

    1. Danke dir liebe Bea für deine lieben Worte. Das stimmt, wir sind füreinander da. Auch wenn man sich nicht persönlich kennt, so bist du mir doch ans Herz gewachsen. In Gedanken drück ich dich auch. ♥️
      LG Mary 🌹

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