Mein Tagebuch ·Rückblicke

31.August 2016/2017

Ein Jahr ist es nun schon her, (gestern), dass ich meine Chemotherapie abgeschlossen habe. Ein Jahr!!! 

Wahnsinn wie schnell ein Jahr vergeht. Gefühls-technisch hab ich gestern erst alles hinter mich gebracht.

Jetzt sitze ich hier, überlege einen Blog zu schreiben über diese Zeit, aber irgendwie fallen mir nicht die richtigen Worte ein. Komisch. Hänge heute auch in einem Loch drin. Dabei wollte ich so viel gemacht haben, schaffe es aber irgendwie nicht.

Die Gedanken überrollen mich, fühle mich müde und matt, abgekämpft und traurig. Wieso, weshalb und warum kann ich euch noch nicht mal sagen. Es ist einfach da, dieses Gefühl. Ich nehme es an und versuche damit umzugehen und das Beste daraus zu machen. Ich überlege sogar, wieder einen Therapeuten zu konsultieren. Der mir hilft, im Nachhinein, mit meiner Gefühlswelt klar zu kommen. An den meisten Tagen gehts mir gut. Wenn dann aber so Tage kommen wie heute, und die Angst dazu, weil die nächste Untersuchung ansteht, dann hab ich doch etwas mehr zu kämpfen. Und das raubt mir natürlich Kraft.

Ich bin niemand, der alles von sich weißt, oder alles verdrängt. Das kann ich nicht. Ich rede über die Dinge, die mich bedrücken. Gott sei Dank hab ich eine tolle Familie, die immer hinter mir steht. Aber manchmal braucht man jemand Außenstehenden, der nicht in meiner Situation befangen ist. Ihr wißt sicher, was ich meine!

Rückblickend kann ich sagen, dass mir die Chemo doch sehr zugesetzt hat, auch wenn ich sie gut vertragen habe. Es war mir nie übel, oder musste mich übergeben. Aber ich war immer müde, sehr müde. Mein Körper sprach eine Sprache, die ich so nicht kannte, Ich musste diese Sprache lernen, damit ich verstand, was mein Körper mir sagte und von mir wollte. Und ich lernte schnell, sehr schnell… So konnte ich mich darauf einstellen und ihm helfen, das zu geben, was er brauchte. Noch heute höre ich sehr genau auf meinen Körper und ziehe die Notbremse, wenn ich merke, dass ich Ruhe brauche.

Dennoch hat mir die Chemo sehr gut geholfen, denn nach allen Chemos war der Tumor verschwunden, und auf dem Ultraschall einfach nicht mehr zu sehen. Das war schon ein unbeschreibliches Gefühl und zaubert mir noch heute ein Lächeln ins Gesicht!

Die letzte Chemo war schon etwas besonderes. Die Praxis war voll, wie immer. Soviel Patienten saßen da, bekamen die verschiedensten Chemotherapien verabreicht. Ich war die einzige, die sagen konnte, das ist meine Letzte! Zumindest an diesem Tag. Ich brachte den Mädels der Praxis eine kleine Aufmerksamkeit mit. Darüber haben sie sich sehr gefreut! Sie waren ja auch alle immer super nett und kümmerten sich auch immer rührend um einen. Sie machten es uns allen etwas erträglicher. Denn das sitzen da um das wissen, jetzt läuft da so ne ‚Chemiescheiße‘ in mich rein ist nicht schön. Selbst mit dem wissen, dass es einem hilft… bleibt es dennoch ‚Chemiescheiße‘!!! Die auch gesundes Gewebe im Körper angreift!!!

Und heute ist das schon wieder solange her. Und mein Körper leidet immer noch. Es ist aber definitiv um einiges besser, viel, viel besser, als damals. Das muss ich echt sagen. Ich habe eine ganz andere Motivation neue Dinge zu erleben und zu machen!

Jetzt genieße ich erst mal wieder meine Freizeit und sammle wieder Kraft, für die nächste anstehende Arbeitswoche ab nächsten Donnerstag! Denn dann geht meine Kollegin in Urlaub und die zwei Wochen werden sehr ruppig für mich!

Ihr werdet garantiert davon lesen! 🤗

Habt es fein und danke fürs lesen…

Bis bald, eure Mary 🌹

4 Gedanken zu „31.August 2016/2017

  1. Liebe Mary….so toll geschrieben und auch als nicht betroffene so gut nachzuvollziehen. Nimm dir die Hilfe, es ist wie dein Bauchgefühl dir auch in der schweren Zeit gesagt hat, was du brauchst und dir gut tut , das solltest du tun. Pass auf dich auf. Fühl dich gedrückt, Wiebke

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