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Mein momentanes „ICH“

Diese und letzte Woche galt es für mich einige Enscheidungen zu treffen.

Letzte Woche fing meine Wiedereingliederung an. Dienstag, Mittwoch und Freitag sollte ich jeweils 2 Std. gehen. Dienstag und Mittwoch bin ich auch gegangen. Der Dienstag war richtig schön, alle waren total lieb zu mir, hießen mich willkommen, begrüßten mich, als würde ich schon immer dazu gehören. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug, und ich freute mich schon auf Mittwoch. War allerdings ziemlich erleigt, und merkte da schon, dass ich nicht die Freude und das Glücklichsein an mir hatte, wie ich dachte. Das wurde mir aber erst viel später bewußt…

Am  Mittwoch musste ich zuerst zur Onkologie, mir mein Herceptin verabreichen lassen. Danach hatte ich noch etwas Zeit und bin nen Kaffee trinken gegangen, bevor ich zur Arbeit ging.

Nach meinen zwei Stunden war ich ziemlich erschöpft. Ich fuhr nachhause und fiel in Loch. Tränen liefen mir die Wange runter, und ich begriff erst nicht, was los war. Einen Tag später, Donnerstag, hatte ich Geburtstag. Meine Schwiegermama, die Tante meines Mannes, meine Mama und meine Tochter waren zum Kaffeetrinken eingeladen. Ich hatte noch nen Kuchen gebacken und meine Tochter Muffins. Mein Mann hatte sich sogar Urlaub genommen für diesen Tag, was nicht immer einfach ist, da er Schichtarbeiter ist…

Während wir, mein Schatz und ich, morgens am Frühstückstisch saßen, fing ich wieder an zu weinen. Ich war so richtig fertig. Wir redeten über alles und ich merkte immer mehr, dass es mir nicht gut ging, bei allem, was da gerade so vor mir lag. Arbeit, Party, ja sogar das Kaffeetrinken stand auch auf der Kippe. Mein Berg wuchs, mein Loch wurde größer… Nach langem hin und her entschied ich mich, das Kaffeetrinken dann doch zu machen.

Freitags stand dann der dritte Tag der Wiedereingliederung an. Ich saß am Frühstückstisch und war wieder am weinen. Die Tränen liefen und liefen nur so. Ich konnte gar nichts dagegen machen. Ich konnte mich nicht aufraffen mich fertig zu machen. Und da entschied ich mich, die Wiedereingliederung abzubrechen. Habe dann in der Firma angerufen und abgesagt… (alles weitere später)

Samstags sollte eine große Party stattfinden. Meine

  „Victoryparty“

Allein der Gedanke daran, schnürte mir den Hals zu. Kurzentschlossen sagte ich den meisten Leuten ab. (Teilweise schon Donnerstags, teils dann am Freitag) Es tat mir sehr leid, aber es war defintiv besser so. Übrig blieben meine „Schwester“, mein bester Kumpel und meine Familie. Sehr überschaubar und glücklich darüber, dass es genau so war. Also, das schon mal richtig gemacht!!! Ein gemütlichern Abend, statt dicke Fete!!! So sollte es sein und es tat mir gut. Und das war die Hauptsache.

Nach dem Wochenende merkte ich, dass ich das Schöne nicht lange festhalten kann. Das zeigte mir, wie nah ich dann doch am Boden bin. Dienstags bin ich dann zu meinem Frauanarzt gegangen um mit ihm über meine Situation zu sprechen. Und die Tränen liefen und liefen… In meinem Beisein rief er noch bei einem Neurologe/Psychotherapeut an und bat um einen schnellstmöglichen Termin für mich. In einem Monat, was wirklich super schnell ist, habe ich einen Termin bekommen. Alles weitere wird dort geklärt. Ich glaube, ich brauche gute Gespräche, um alles aufarbeiten zu können! So stark und voller Tatendrang ich durch diese ganze Krebsgeschichte ging, hat es mich doch mehr mitgenommen, als ich dachte. Jetzt wird es mir bewußt. Jetzt muss ich was tun, damit ich wieder auf die Beine komme.

Der Anfang ist gemacht…

Am Mittwoch war ich dann bei meinem Chef und wir haben über meine jetzige Situation geredet. Und natürlich wieder unter Tränen. Unter anderem auch, weil mir das alles so leid tut. Er hält mir den Platz frei und ich schaffe es nicht, meinem Job und ihm gerecht zu werden. Das ist einenormer Druck, der mir aber erst bewußt wurde, als ich die Wiedereingliederung angefangen habe. Gut war, dass ich es versucht habe, sonst wüßte ich nicht, wie es ist!!!

Jetzt gilt es nach vorne zu schauen. Mein Chef wartet noch etwas ab, was ich total schön finde, und ich bin ihm auch dankbar dafür. Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Erstmal ist der Druck weg, etwas zu tun, wozu ich noch nicht bereit bin. Ich werde den Termin wahrnehmen und schauen, was bei dem Gespräch rauskommt und wie es weiter geht.

Meine Medikament, welches ich schon seit längerem nehme, ein Antidepressiva, sollte ich erhöhen. Das habe ich auch gemacht… Aber es haut mich echt um. Ich fühle mich müde, und lahmgelegt. Dennoch glaube ich, genau das sollte es auch bewirken. Dass ich zur Ruhe komme… Ironischer Weise wollte ich das Medikament im Sommer ausschleichend absetzen… Tja, stattdessen erhöhen wir es mal. Wenn es mir hilft, ist das vollkommen in Ordnung für mich.

Das ist jetzt momentan der Stand der Dinge. Mein momentanes „ICH“!!! Es gilt an mir zu arbeiten. Dinge zu finden, die mir gut tun, zur Ruhe kommen, ohne Stress, mit viel Geduld, guten Gesprächen, Familie und Freunde um mich herum…

Ich werde es schaffen!!!

Eure Mary 💋

 

3 Gedanken zu „Mein momentanes „ICH“

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