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Ein Jahr Krebs… Rückblick

Heute genau vor einem Jahr habe ich mein „Krebs-Arschloch“ ertastet. (dabei fällt mir auf, dass ich ihm gar kein Name gegeben habe, wie so viele es tun, aber ich glaube mir ist nie etwas passendes eingefallen… er war immer nur mein ‚Arschloch‘!!!) In diesem Jahr ist wirklich viel passiert. Wahnsinn, was man alles so aushalten kann, wenn man überleben will. Und ich habe es fast geschafft!!! 

Angefangen hat alles genau vor einem Jahr, das ertasten des Tumors. Ich war völlig außer mir, wußte gar nicht was los ist, dachte zuerst, dass es nichts schlimmes ist. Bestimmt nur ne Zyste. Von wegen. 3 Wochen später bekam ich das Ergebnis und war dann doch geschockt, weil ich es vorher nicht wahrhaben wollte!!! Man verdrängt schlechte Gedanken und Gefühle. Das kann ja gar nicht sein, denkt man sich. Und plötzlich steht die Welt für einen Moment still, und man weiß nicht, wo man dran ist!  H I L F E…. in welche Richtung gehe ich denn jetzt weiter? Was wird aus mir? ANGST macht sich breit, Hilflosigkeit … Das Gefühl auf einmal nicht mehr frei atmen zu können übermannt einen völlig!!! Und wenn man dann wieder etwas zu sich gekommen ist, und alle Möglichkeiten erfahren hat, die man machen kann… Ja erst dann sieht man wieder den Weg vor sich, den man einschlagen wird und muss, wenn man Leben will. Das liest jetzt alles so einfach und logisch. Aber es ist nicht so einfach, wenn man eben Betroffene ist.

*Brutkrebs* ist eben für uns Frauen kein leichtes Thema. Generell ist Krebs kein leichtes Thema. Für niemanden… Und man sollte es auch nicht unter den Teppich kehren. Ich persönlich bin für die Offensive!!! Das Thema laut und deutlich ansprechen, mit Familie und Freunden, mit Ärzten und Therapeuten, damit nichts im unklaren bleibt. Zumindest hat es mir geholfen, besser mit meiner Krebserkrankung klar zu kommen. Es ist nicht für jeden der passende Tipp. Ich weiß… Jeder geht anders damit um, und das ist ja auch gut und richtig so. Ich kann ja auch nur aus meiner Sicht erzählen, um darauf aufmerksam zu machen, wie man damit umgehen kann!

In diesem Jahr  habe ich viele Höhen und Tiefen erlebt. Nach der Diagnose ging es erst mal für ein halbes Jahr in die Chemo… und die war nicht ohne. Die ersten vier waren schon sehr heftig. Ich habe sie, gegenüber anderen Patienten, dann doch recht gut vertragen, aber der Körper wird schon ganz schön in die Knie gezwungen! Nach Beenden der, insgesamt 16, Chemos war ich dann doch völlig am Ende. Müde, Kraftlos und wirklich ohne Energie. Jetzt, nachdem ich in der Reha wieder Kraft getankt habe, fällt mir auf, wie kaputt ich eigentlich war, und was die ganze Strapaze mir mir angestellt hat.

Die OP, die dann im Oktober kam, habe ich mir auch anders vorgestellt. Nicht so heftig. Alles tat weh und ich hatte das Gefühl, als hätte ich dicke, fette Steine in meiner Brust! Nach einer Weile verging dieses Gefühl, Gott sei dank. Mittlerweile fühlt sich meine Brüste richtig gut an. Sie gehören jetzt zu mir. Anfangs dachte ich nicht, dass sich das mal so anfühlen würde! Dann dies blöde Brustentzünung, die ich 6 Wochen nach der OP bekam… hätte ich nicht gebraucht. Schließlich musste ich für eine Woche wieder ins Krankenhaus. (Mittlerweile mag ich keine Krankenhäuser mehr!!!) Aber es war wichtig, damit die Entzündung weg ging. Und ein wenig erholen konnte ich mich dann doch im Krankenhaus.

Dennoch fiel mir jede Anstrengung schwer, jede Bewegung tat irgendwie weh, mein Körper und ich waren überhaupt nicht mehr in Einklang. Ich war so unglaublich schnell außer Atem! Wie lange dauert es, bis ich mich wieder normal fühle? Die Reha mußte her, unbedingt. Ich hatte es satt, mich so mies zu fühlen, meinen Haushalt nur bedingt zu machen und ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nicht so konnte, wie ich es wollte. Keiner machte mir Vorwürfe, das nicht!!! Aber ich machte sie mir selbst. Ich setzte mich selbst unter Druck. Das war nicht gut. Ich verlor mich immer mehr. Erst in der Reha habe ich so richtig loslassen können. Nach einer Woche hab ich es geschafft, mich mit mir und meinen Bedürfnissen zu befassen. Das war es, was mir gut tat. Und ich habe wieder an Energie und Kraft gewonnen! Und ich finde mich immer mehr!

Alles braucht seine Zeit, das ist klar. Und die sollte man sich auch lassen. Nur so findet man wieder zu sich selber zurück und kann den nächste Berg, der vor einem liegt, wieder bezwingen. Am kommenden Montag heißt mein nächster kleiner Berg,  eine kleine OP (Laparoskopie), die Entfernung der Eileiter und Eierstöcke aus prophylaktischen Gründen! Manchmal wird dies auch schon ambulant gemacht, aber ich bleibe wohl eine Nacht zur Überwachung im Krankenhaus. Die OP lasse ich auch wieder in Köln machen, wo ich die andere OP auch hab machen lassen! Da fühle ich mich gut aufgehoben und dann passt das auch. Angst als solches hab ich nicht, aber dennoch ist jede OP eben nicht ohne! Ich habe, wenn überhaupt, Angst vor dem was passieren kann während der OP, und nicht vor dem eigentlichen Eingriff! Aber selbst darüber darf man nicht zu intensiv nachdenken. Es muss gemacht werden, um gesund zu bleiben. Und das ist das wichtigste!  Und daran halte ich fest!

Rückblickend kann ich sagen, dass ich natürlich den ganzen Scheiß nicht gebraucht hätte. Wer braucht denn schon so ne Krankheit. ABER… es hat mich um einige Erfahrungen reicher gemacht, und einige Lebenseinstellungen haben sich geändert. Ich weiß jetzt mehr denn je, was ich wirklich möchte in meinem Leben, was und wer mir wichtig ist, was ich noch erreichen möchte, wo ich wirklich hingehöre… wer meine wirklichen Freunde sind!!! Ich habe neue Freunde dazu gewonnen, (denn Krebs schweißt zusammen, wir sind wie eine große Familie) und andere haben mich verlassen! Das schreibt nun mal das Leben, aber ist absolut gut und richtig so wie es ist…

Es fühlt sich für mich richtig an. Und genau so soll es sein! 👍🏼

Eure Mary 💋

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